Der PRVKE V3 war kein Rucksack, der dringend einen Nachfolger gebraucht hätte. Er war ausgereift, robust und über Jahre hinweg ein ausgesprochen verlässlicher Begleiter für Kameraausrüstung, Technik und Reisen. Entsprechend skeptisch war ich beim V4: Handelt es sich tatsächlich um eine sinnvolle Weiterentwicklung oder lediglich um genügend kleine Veränderungen, um eine neue Versionsnummer zu rechtfertigen?
Nach längerer Nutzung fällt die Antwort überraschend eindeutig aus: Der Wechsel hat sich gelohnt. Nicht, weil der V4 alles neu erfindet, sondern weil WANDRD an mehreren entscheidenden Stellen nachgebessert hat, die im Alltag mehr bewirken als auf einem Datenblatt.
Das neue Tragesystem macht den Unterschied
Die auffälligste Verbesserung betrifft die Schultergurte und deren veränderte Anlenkpunkte. Der Rucksack sitzt näher und kontrollierter am Körper, ohne sich unangenehm steif anzufühlen. Die Last wird spürbar sauberer über Schultern und Rücken verteilt. Gerade mit schwerer Kameraausrüstung ist das keine kosmetische Änderung, sondern eine Frage des tatsächlichen Tragekomforts.
Natürlich verschwindet das Gewicht einer vollgepackten Fototasche dadurch nicht. Auch der V4 kann die Physik nicht überlisten. Er geht mit der Last aber merklich besser um. Die Gurte liegen natürlicher an und der Rucksack entwickelt beim Gehen weniger Eigenbewegung. Das fällt nicht beim kurzen Anprobieren im Wohnzimmer auf, sondern nach einer Stunde unterwegs.
Kleine Öffnung, großer Effekt
Der zusätzliche Reißverschluss am oberen Bereich gehört zu jenen Veränderungen, die zunächst vollkommen unspektakulär erscheinen. Im täglichen Gebrauch wird er schnell zu einem der besten Argumente für den V4.
Beim V3 musste das Rolltop für viele Zugriffe vollständig geöffnet werden. Das war nicht kompliziert, aber eben ein zusätzlicher Handgriff. Beim V4 lassen sich kleinere Gegenstände deutlich schneller erreichen, ohne jedes Mal den kompletten oberen Verschluss zu bearbeiten. Das Rolltop behält dennoch seine eigentliche Funktion und damit auch den typischen Charakter des PRVKE.
Genau solche Änderungen zeigen, ob ein Produkt lediglich am Schreibtisch überarbeitet oder tatsächlich aus der Nutzung heraus weiterentwickelt wurde.
Reißverschlüsse, Zipper und Griffe
Auch die neuen Reißverschlüsse und Zipper-Puller hinterlassen einen besseren Eindruck. Sie laufen sauberer, lassen sich mit Handschuhen oder in Bewegung leichter greifen und vermitteln insgesamt mehr mechanische Präzision. Die überarbeitete seitliche Öffnung funktioniert ebenfalls flüssiger als zuvor.
Hinzu kommen die neuen Tragegriffe. Ein Detail, das bei einem Rucksack gerne unterschätzt wird, obwohl man es ständig benutzt: beim Herausheben aus dem Kofferraum, beim Umsetzen im Zug oder beim schnellen Abstellen neben dem Schreibtisch. Die Griffe des V4 lassen sich besser greifen und wirken belastbarer. Keine spektakuläre Innovation, aber eine spürbare Verbesserung.
WANDRD nennt unter anderem ein neu konstruiertes Rückenpanel, ergonomisch überarbeitete Schultergurte, wetterbeständige YKK-Reißverschlüsse, Metallbeschläge, verstärkte Gurtbänder und den zusätzlichen Zugang am Rolltop als zentrale Änderungen des V4. Im Praxiseinsatz ergibt diese zunächst recht nüchterne Aufzählung tatsächlich ein insgesamt runderes Produkt. Die vollständige Ausstattung beschreibt WANDRD auf der offiziellen PRVKE-Produktseite:
Der V4 bleibt klar als PRVKE erkennbar. Die große Clamshell-Öffnung, der seitliche Kamerazugriff, das variable Rolltop und die modularen Camera Cubes bleiben Teil des Grundkonzepts. Wer den V3 mochte, muss beim V4 keine neue Arbeitsweise erlernen.
Die Weiterentwicklung liegt vielmehr in den Abläufen. Ein Reißverschluss öffnet sich leichter, ein Griff sitzt besser, die Schultergurte verteilen das Gewicht angenehmer und der obere Bereich ist schneller erreichbar. Für sich genommen wäre keiner dieser Punkte ein zwingender Kaufgrund. In der Summe verändern sie den täglichen Umgang mit dem Rucksack jedoch deutlich.
Sedona Orange: dezent geht anders
Sedona Orange ist keine Farbe für Menschen, die ihre Kameratasche möglichst unsichtbar durch die Stadt tragen möchten. Der Farbton ist präsent und macht den PRVKE zwangsläufig zu einem Teil des visuellen Auftritts. Gerade im vollständigen Setup funktioniert das allerdings ausgesprochen gut.
Mit den passenden Pouches und der farblich abgestimmten Sling entsteht kein zufällig zusammengekauftes Taschenlager, sondern ein geschlossenes, modulares Transportsystem. Einzelne Komponenten können je nach Ausrüstung und Einsatz kombiniert werden, ohne dass das Ganze optisch beliebig wirkt. Für Fotografie, Reisen und den täglichen Techniktransport ist das nicht nur schön anzusehen, sondern auch praktisch.
Lohnt sich der Wechsel vom V3?
Der V3 ist durch die Veröffentlichung des V4 nicht plötzlich veraltet. Wer mit seinem bisherigen Rucksack zufrieden ist, ihn nur gelegentlich nutzt und keinen schnelleren oberen Zugriff benötigt, muss keineswegs sofort wechseln.
Bei häufiger Nutzung sieht die Sache anders aus. Das verbesserte Tragesystem, die neuen Anlenkpunkte, die griffigeren Reißverschlüsse, die besseren Tragegriffe und der zusätzliche Zugang summieren sich zu einem merklich angenehmeren Arbeitsgerät. Der Unterschied liegt weniger in neuen Funktionen als in der höheren Qualität alltäglicher Handgriffe.
Fazit
Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem PRVKE V4 war nachvollziehbar. Der V3 war bereits zu gut, um sich von einer neuen Versionsnummer beeindrucken zu lassen. Erst im längeren Einsatz zeigt sich, wie konsequent die vielen kleinen Veränderungen ineinandergreifen.
Der V4 ist keine Revolution und versucht erfreulicherweise auch nicht, eine zu sein. Er ist der vertraute PRVKE, nur ergonomischer, zugänglicher und an entscheidenden Stellen besser durchdacht. Genau deshalb war der Wechsel am Ende doch die richtige Entscheidung.